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WIE WIRKT MUSIK AUF DAS MENSCHLICHE GEHIRN?

Menschen, die ein Instrument lernen, so haben Forscher jetzt herausgefunden, verbessern damit oft ihre Intelligenzleistungen. Wer ein Instrument spielen lernt, schult damit auch sein logisches und mathematisches Denken.

Zwei zu untersuchenden Fragen waren:

  1. Können Kinder, die ein Instrument lernen, darauf bauen, schlauer durchs Leben zu gehen, besser zu rechnen, schneller Sprachen zu lernen?
  2. Unterscheidet sich - und wenn, wie - das Gehirn von Musikern von dem Nichtmusizierender?

In einer Langzeitstudie wurden ganz normale Kindern ohne musikalische Vorbildung aus einem Arbeiterbezirk, aus Familien ohne kulturellen background getestet. Diese Kinder im "Reinzustand" wurden über einen Zeitraum von 6 Jahren mit intensiver, erweiterter musikalischer Erziehung beglückt d.h., 2 Wochen­stunden Musikunterricht, dazu lernten sie ein Instrument, um zu sehen, wie nun nachzuweisen ist, welche Effekte tatsächlich der Umgang mit Musik mit sich bringt. In Los Angeles machten Forscher der University of California ebenfalls solche Studien in Vierteln mit ausdrücklich nichtpriviligierten Kindern, um der Kritik zu begegnen, nicht das Instrumentalspiel beeinflusse die Intelligenz der Kinder, sondern die Familie und das gesamte Umfeld seinen dafür verantwortlich. Beide Studien kommen zu dem Ergebnis: Musikalisches Training fördert bestimmte Komponenten der menschlichen Intelligenz, wie räumlich-zeitliches Vorstellungsvermögen = Grundlage für mathematisches Denken. Musik spielt die entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Hirnrinde, weil sie die Nerven so anregt, daß Musizierende allgemein im Stande sind, in räumlich-zeitlichen Kategorien zu denken.

Ausgangspunkt der These der Los Angeles-Studie (in der der Instrumentalunterricht Mittel zum Zweck ist): Musik dient dazu, das räumliche Vorstellungsvermögen zu verbessern und in abstrakten Begriffen zu denken. Schon das Hören von klassischer Musik für etwa 20 min. verbessert das räumliche Vorstellungsvermögen.

Prof. Bastian: Die Musik stellt eine Schlüsselintelligenz dar, weil vom Potential der Musik sehr viel ausstrahlt, ausfließt auf andere Bereiche an Kreativität, schöpferischem Denken, Bewegung, usw. Ein Instrument zu spielen ist eine der komplexesten menschlichen Tätigkeiten. Schon bei einfachen Stücken, die vom Blatt gespielt werden, werden Fähigkeiten der Motorik des Intellekts und der Sinne beansprucht: präzise Koordination beider Hände, ausgeprägte Feinmotorik, räumliches Vorstellungsvermögen, um sich auf dem Instrument, einem räumlichen Gebilde, zurecht zu finden. Abstraktes und komplexes Denken sind gefordert. Wer ein Stück vom Blatt spielt, betätigt sich vorausschauend und nachhörend unter den extremsten Bedingungen der Ungleichzeitigkeit.

Instrumentalspiel fördert aber nicht nur Vernetzungen im Gehirn. Teile des Gehirns vergrößern sich sogar, wenn der Instrumentalunterricht früh genug einsetzt. Die stärksten Phänomene treten auf wohl vor dem Alter von 8-9 Jahren. Später treten auch noch Effekte auf, auch noch mit 80 Jahren. Prof. Dr. Hermann Rauhe, Direktor der Musikhochschule Hamburg: Musiker nutzen ihr Gehirn viel differenzierter und effektiver als ein normaler nichtmusizierender Mensch, denn die ganzen Vorgänge der Tonbildung erfordern ein unheimlich schnelles Vorausdenken.

Es muss dabei gar nicht um Höchstleistungen gehen, und niemand muss glauben, der Zug ist abgefahren. Prof: Rauhe: Man kann mit 85 Jahren anfangen ein Musikinstrument zu lernen und dabei stellen wir fest, dass die Gehirnzellen, die bisher schon reduziert waren, wieder vöillig regeneriert werden. Das heisst, Musik machen ist eine Form des Gehirnjogging. Die Konzentration auf das Spiel und die Umsetzung der Notenschrift ist das eine, die Entfaltung der Gefühle, der Empfindungen, der Phantasie ist das andere. Nicht nur kognitives, räumliches, abstraktes Denken werden offensichtlich durch den Katalysator Musik verbessert, ein Instrument zu spielen bedeutet auch, ein Ventil für die eigenen Gefühlen zu haben. Es bedeutet, besser zuzuhören und intensiver in sich selbst hinein zuhören. Die Kinder lernen, sich selbst im Verhältnis zu anderen zu sehen, und dass ihre Fähigkeiten nicht vom Himmel fallen. Die Vorleistung des häuslichen übrigens muss unumgänglich erbracht werden.

Aus: NeueMusikZeitung

 

Die Hände: 54 Knochen und 48 Muskeln befähigen zu Bewegungen in 22 Richtungen. Die Hände sind als Greifer und Sinnesorgane hoch sensibel und belegen die Hälfte der im Gehirn zur Verfügung stehenden Speicherkapazität für Motorik. Sämtliche anderen Körperteile müssen sich für ihre Bewegungen mit dem Rest begnügen.

aus: BROCKHAUS! GANZ SCHÖN MERKWÜRDIG